Skoliosetherapie nach Schroth
Aktiv aufrichten – Haltung verbessern – Fortschreiten reduzieren
Skoliose ist mehr als eine „schlechte Haltung“. Es handelt sich um eine komplexe dreidimensionale Veränderung der Wirbelsäule, die früh erkannt und gezielt behandelt werden
sollte. Die Skoliosetherapie nach Katharina Schroth ist eine international anerkannte physiotherapeutische Methode, die genau hier ansetzt: individuell, aktiv und alltagsnah.
Woran erkennt man eine mögliche Skoliose?
Typische Anzeichen können sein:
unterschiedlich hohe Schultern
ein Schulterblatt steht stärker hervor
der Kopf ist nicht mittig über dem Becken
eine Beckenseite ist höher
asymmetrische Taille
einseitig verformter Brustkorb
der Körper wirkt insgesamt zu einer Seite geneigt
Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen auffallen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Mithilfe von klinischer Untersuchung und Röntgenaufnahme kann festgestellt werden, ob es sich um eine Skoliose oder um eine skoliotische Fehlhaltung handelt.
Was ist eine Skoliose?
Eine Skoliose ist definiert als: Seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule mit gleichzeitiger Verdrehung der Wirbelkörper.
Dadurch kommt es zu:
einer Verformung des Rumpfes
einem Längenverlust der Wirbelsäule
häufig zu einem Flachrücken im Bereich der Brustwirbelsäule
Kann die Wirbelsäule aktiv vollständig aufgerichtet werden, spricht man nicht von einer echten Skoliose, sondern von einer skoliotischen Fehlhaltung.
In etwa 80 % der Fälle ist die Ursache unbekannt (idiopathische Skoliose). Bekannt ist jedoch eine familiäre Häufung.
Wichtig:
Skoliose ist eine progrediente (fortschreitende) Erkrankung – Therapie ist daher in jedem Stadium sinnvoll.
Skoliosetherapie bei Kindern & Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen ist besondere Aufmerksamkeit notwendig, da:
sich die Wirbelsäule noch im Wachstum befindet
sich Krümmungen rasch verschlechtern können
Ziele der Physiotherapie im Wachstum:
möglichst optimale Aufrichtung der Wirbelsäule
Verlangsamung oder Verhinderung des Fortschreitens
möglichst geringe Krümmungswinkel am Wachstumsende
Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto besser.
Je jünger das Kind, desto weniger fixiert ist die Krümmung – und desto besser lässt sie sich beeinflussen.
Die Schroth-Therapie eignet sich in der Regel für Kinder ab ca. 6–7 Jahren.
Bei jüngeren Kindern können andere neurophysiologische Therapieansätze (z. B. Vojta) sinnvoll sein.
Die Schroth-Therapie – was macht sie so besonders?
Die Schroth-Skoliosetherapie ist ein dreidimensionales, aktives Therapiekonzept.
Sie kombiniert:
spezifische Korrekturstellungen
gezielte Muskelaktivierung
eine spezielle dreidimensionale Atmung (Rotationsatmung)
Ziel ist es, die Wirbelsäule aktiv aufzurichten, asymmetrische Belastungen zu korrigieren und diese Haltung langfristig zu stabilisieren.
Die Übungen werden:
individuell an das jeweilige Skoliosemuster angepasst
altersgerecht vermittelt
so gestaltet, dass sie selbstständig im Alltag durchgeführt werden können
Da sich Skoliosen – besonders im Wachstum – verändern können, ist die Therapie häufig als Langzeittherapie angelegt.
Ziele der Schroth-Therapie
individuell bestmögliche Aufrichtung der Wirbelsäule
Verhinderung einer weiteren Krümmungszunahme
Reduktion von Schmerzen
Verbesserung von Haltung, Atmung und Beweglichkeit
Vorbeugung von Folgeproblemen (z. B. Organfunktion, Bewegungseinschränkung)
Ein nachhaltiger Therapieerfolg ist nur möglich, wenn die erlernten Übungen regelmäßig und selbstständig durchgeführt werden.
Physiotherapie, Korsett oder Operation?
In Übereinstimmung mit internationalen Empfehlungen gilt:
bis ca. 20° Cobb-Winkel: Physiotherapie
über 20°: Physiotherapie + Korsettversorgung
ab ca. 50–60°: ärztliche Abklärung hinsichtlich Operation
Die physiotherapeutische Behandlung bleibt in allen Phasen ein wichtiger Bestandteil.
Weitere Diagnosen, die mit dem Schroth-Konzept behandelt werden
Kyphosen / Hyperkyphosen
Morbus Scheuermann
Morbus Bechterew
Trichterbrust
Haltungsstörungen und Haltungsschwächen